besser-leben-ohne-strom.de

Oktober12

Endlich hatte ich es begriffen. Nach einem interessanten Webinar von Google wusste ich, wie man eine AdWords-Kampagne idealerweise optimiert. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin nach so einer Veranstaltung immer sehr motiviert, das erlangte Wissen zu vertiefen. Also setzte ich mich an meinen Computer und fing gleich an, meine kleine Kampagne mit den neuen Erkenntnissen zum Erfolg zu führen.

Als ich dann gegen Abend in die Küche ging, um mir ein Bier zu holen – man muss ja auch was trinken, sonst kann man sich nicht konzentrieren – öffnete ich den Kühlschrank, sah das Licht darin kurz aufflackern und dann war es dunkel. Und es war nicht nur dunkel im Kühlschrank, sondern in der ganzen Wohnung. Zu meinem Erstaunen waren aber alle Sicherungen intakt. Und es kam noch schlimmer: Der ganze Straßenzug war stockfinster. Kein einziges Licht brannte – wenn man mal von zahlreichen Lichtkegeln der Taschenlampen absah.

Nach einem Anruf bei unserem Stromlieferanten erfuhren wir, dass bei Bauarbeiten ein Kabel beschädigt wurde und es noch länger dauern könnte, bis wie wieder Strom hätten.

Dann saß ich da also in meiner dunklen Wohnung, die mit mühsam zusammengesuchten Kerzen erhellt wurde. Ich konnte mir nicht einmal einen Tee kochen oder einen Snack zubereiten. Inmitten der Großstadt schien ich von der Zivilisation abgeschnitten.

Mir wurde plötzlich bewusst, dass die einzige Energiequelle, auf die man sich verlassen sollte, die Muskulatur ist. Das hat doch bis ins 19. Jahrhundert auch ausgereicht. Na gut, vielleicht gab es da noch die Dampfkraft, Wasserkraft oder auch die des Windes, aber im großen und ganzen musste man doch alles selbst machen.

Und das Schöne daran: Es ist auch noch umweltfreundlicher und sorgt für mehr Bewegung bei den inzwischen trägen Menschen. Beides Effekte, die unserer Gesundheit zugute kommen. Man käme auch mehr raus und würde nicht ständig in der Wohnung hocken, denn das Internet lässt uns überall dabei sein, obwohl wir unser Heim nicht verlassen. Kein Strom bedeutet also auch mehr persönliche Kontakte und direkte soziale Interaktion. Kein Strom bedeutet auch keine Energie für Massenvernichtungswaffen und High-Tech-Kriegsgerät, es fördert also auch den Frieden. Und zu guter Letzt inspiriert Kerzenschein doch auch zu romantischer Literatur, seien es Gedichte oder Romane.

Früher war also alles besser. Ich werde gleich mal besser-leben-ohne-strom.de reservieren und eine AdWords-Kampagne diesbezüglich starten. Ich muss nur jemanden finden, der mir noch Werbebanner erstellt, die ich dann zu diesem Zwecke verteile. Und wenn das gut läuft, gehe ich zum Radio und zum Fernsehen und lasse mich interviewen – die Menschen müssen wachgerüttelt werden.

facebooktwittergoogle_pluslinkedinmail
Über den Autoren:
posted under Eberhards Kolumne

Email will not be published

Website example

Your Comment: