Mediale – Ich war auch da!

September28

Guten Morgen Hamburg!….die Sonne scheint, welche Freude. Meinem  Arbeitsrhythmus verdanke ich es, dass ich nun bereits um 9:15 Uhr am Bahnhof Dammtor stehe. Da das Treffen mit John erst um 9:45 Uhr geplant ist, kann ich es ihm nicht übel nehmen das er noch nicht da ist. Glücklicherweise bin ich dann doch nicht ganz alleine, weil ich am Bahnhof schon meinen Klassenkameradinnen Michaela, Tina und Adriana in die Arme gelaufen bin. Wir stehen pünktlich um 9:30 Uhr vor der Uni mit dem praktischen Gedanken im Kopf schon mal die Anmeldung zu erledigen, bevor die anderen 596 Schüler aus den Zügen und Bussen purzeln um dann wie eine wissbegierige Schlange auf den Uniplatz zu kriechen. Adriana und ich betreten den großen ehrwürdigen Eingangsbereich der alten Universität und blicken uns unsicher um, bis ein kleines Schild die gebührende Aufmerksamkeit erhält. Dort ist „ Anmeldung“ zu lesen. Ein weiteres für uns unwichtiges kleines Schild zeigt den Weg zur Tageskasse an. Entschlossen treten wir an die dort arbeitenden Schüler heran und werden mit der Info „Das geht er nach der Eröffnungsveranstaltung“ forsch von dannen geschickt. Wer hat sich denn das ausgedacht? Ausgerechnet dann wenn alle gleichzeitig den Hörsaal verlassen als würden sie die Bastille stürmen….nur das es dieses Mal nicht um Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit geht, sondern wer als erstes sein Armband für den zweiten Tag am Handgelenk trägt.

Enttäuscht schließen wir uns wieder der wartenden Schülerschaft an und ich stelle fest, dass auch John mittlerweile da ist. Pünktlich wie geplant betreten wir alle gemeinsam den Hörsaal und die bereits bespielte Leinwand weckt unser Interesse. Flypsite nennt sich das Tool und es filtert alles was mit dem #MedialeHamburg in den Social-Mediakanälen gepostet wird, um das dann für alle sichtbar auf der Leinwand zu präsentieren. 3,2,1 ….und der Spaß beginnt!

Mediale flypsite

Ich erwarte eigentlich ein kritisches Fazit, aber mal abwarten. Tosender Applaus brandet auf nach dem Post für die orange Hippie-Hose des Redners. Das allgemeine Gelächter, über immer neue Bilder, ist nur mit Mühe zu stoppen. Nach einer kleinen Begrüßung durch die organisierenden Schüler und den stellvertretenden Schulleiter/unseren Klassenlehrer betritt der erste Referent die Bühne: Nico Lumma. Das Thema lautet „Macht doch einfach was ihr wollt!“. Inhaltlich wirklich spannend. Er spricht über die Anfänge vom Fernsehen und wann es das dann endlich mal in Farbe gab….nicht bei ihm Zuhause….aber beim Nachbarn….vier Häuser weiter…..zweimal die Woche….Fury und Lassie. Naja lange ist es her. Dann gab es Videospiele, zuerst nur Pong. Dann entwickelte sich der Markt langsam bis heute jeder dritte in der U-Bahn sitzt und spielt. Moment! Wichtiges, sehr wichtiges Thema. Mobiltelefone! Er berichtet von der grauen Vorzeit des Telefonierens, dann die Entwicklung des Handys bis hin zu dem was sicher 99% aller Anwesenden in der Tasche haben. Dann schweift er sehr belustigend ab zu den Vaterfreuden, als seine 9 jährige Tochter sein altes Smartphone gekonnt ablehnte, mit den Worten „ Die Usability ist kacke!“. Das einzige störende an diesem Vortrag ist sein Bewegungsdrang. Das präsentierende Personen sich vor einer Menge bewegen um alle mitzunehmen ist nicht mein Problem, aber er bewegt sich wie ein Elefant der im Zirkus angekettet ist. Sehr irritierend. Der Rest des Vortrags bezieht sich auf die unglaublichen Datenmengen die über Social-Media-Netzwerke generiert werde. Die unzähligen Infos die wir alle Tag für Tag mit der Welt teilen. Er berichtet von neuen Tools die die Postings anonymisieren oder von Bildportalen mit einer Ablauffrist. Die ganze Welt wird vernetzter, schneller und aufregender, aber wir hinken noch hinterher. Wirklich deutlich wird das an der Zahl der Haushalte die ans Glasfasernetz angeschlossen sind. Bei uns sind es nur 1,1%, in Japan schon 71,5%. Es gibt viel zu tun! Er wird mir sympathischer als er Douglas Adams zitiert:

“I’ve come up with a set of rules that describe our reactions to technologies:
1. Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.
2. Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.
3. Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”

Zum Ende seines Vortrags lässt er uns an seinem großen Fazit teilhaben „Ihr könnt und wisst viel mehr als eure Lehrer oder Ausbilder! Macht was draus! Gründet eine Firma und setzt eure Ideen um!“

Ok, guter Plan. Aber vielleicht lernen wir erst mal aus? Nach dem aufheiternden Vortrag dürfen wir nun endlich zur Anmeldung um unsere heißbegehrten Armbändchen abzuholen. Unpraktisch ist jetzt nur das natürlich alle 600 Schüler die gleiche Idee haben, bzw. haben müssen. Dringend verbesserungsbedürftig!

Anschließend steht uns ein kleiner Spaziergang zum Philosophenturm bevor…..angenehm wenn diese beklemmende Enge nachlässt. Der Philoturm ist schnell gefunden und dank der Tipps unseres Lehrers und der Möglichkeit sich im Vorfeld schon über die Vorträge zu informieren gelangen wir schnell in den richtigen Hörsaal. Etwa 45 Min. später, bleibt eine kurze Pause bevor wir dann in anderer Gruppenzusammensetzung im nächsten Hörsaal platznehmen. Dieser Ablauf wiederholt sich quasi den ganzen Tag, nur unterbrochen von einer Mittagspause in der Mensa.

Die Qualität der Vorträge schwankt und leider verraten die Bezeichnungen nicht immer direkt den Inhalt. Ok, das kann natürlich auch daran liegen das ich noch unerfahren bin, was die Branche und Berufsinhalte betrifft, aber es geht vielen so. Für das nächste Jahr fordern wir bessere Themenerläuterungen in der Broschüre. Von einem sehr spannenden Vortrag stolpere ich in einen Hörsaal in dem der Redner viel zu schnell spricht und die PPS saust vorbei. Wer soll da mithalten? Danach folgt ein Vortrag von einem Google-Menschen der wirkt als hätte er präsentieren bei Steve Jobs gelernt. Inhaltlich bleibt nicht viel hängen. Anschließend amüsiere ich mich köstlich bei einem Vortrag über Microformats und Microdata, sehr lehrreich, aber doch eher was für Programmierer. Der glückliche Nutzer ist alles was für uns wichtig sein sollte nehme ich als Fazit mit. Nach dem 6ten Vortrag nimmt der Tag endlich ein Ende. Ab nach Hause, immerhin ist es bereits 17:15 Uhr.

Tag zwei startet auch wieder sonnig…..jedenfalls draußen, hier im Hörsaal strahlt nur der Projektor. Ernüchterung macht sich breit als sich rumspricht, dass der geplante SEO-Vortrag auf gestern vorgezogen wurde, parallel zum Google-Vortrag. TOP! Solche Infos nur über Twitter zu verbreiten ist leider nicht effektiv. Manchmal fehlt mir das „Schwarze Brett“. Also wird fix ein neuer Vortrag ausgesucht und schon sitze ich bei „Branding to go“. Fail! Es geht um Logos und Typo und Schriftgrößen. Ein Vortrag für Grafiker. Der Herr lamentiert 45 min. und ich lerne rein gar nichts Neues. Dank Kollege Danny bin ich da schon voll im Thema. Kleines Logo, großes Logo, visuelle Konstante…bla….Werte der Firma…blabla…..wirkt seriöser…blabla…..Fußballtrikot? Jetzt hat er mich abgeholt! Das richtige Logo/Vereinswappen vermittelt Sicherheit, Zugehörigkeit, Wohlgefühl und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Auch nicht neu, aber endlich mal anschaulich. Alles ganz gut gemeint, aber er wiederholt sich grade so sehr das die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf Kellerniveau sinkt und der Fluchtreflex einsetzt, aber die anerzogene Höflichkeit verhindert ein Entkommen quer durch den Hörsaal. Seine Zeit ist abgelaufen und er redet immer noch, alle packen, er redet noch und als er dann hoffnungsvoll eine anschließende Diskussion anbieten, leert sich der Saal schlagartig das er einem fast leidtun könnte.

Darauf folgt einer der interessantesten und lustigsten Vorträge zum Thema Digitale Außenwerbung. Die ungenutzten Möglichkeiten schockieren mich beinahe und ich bin gespannt wie sich der Bereich in Zukunft entwickelt. Speziell in Kombination mit dem Onlinesektor. Ich werde einige dieser Videos später nochmal ansehen müssen, weil die Ideen dahinter einfach so grandios sind. Zum Abschluss noch eine Präsentation zum Thema Kundenbindung die leider nur wenig neue Erkenntnisse liefert und auch noch etwas träge vorgetragen wird. Aber im Endeffekt verlasse ich mit einem guten Gefühl die Uni. Im Kopf viele Ideen die ich gerne an meine Kollegen weitergebe. Vielleicht kann man ja das eine oder andere auch dem kleinen Seoconsortenmonster zeigen. Ihr kennt unser neues Maskottchen noch nicht?

 

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